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Nachgehakt / 21.03.2022

Die "Kanal Challenge" - nachgehakt bei Sven Ihne

Vor einigen Tagen sorgte Korda mit „The Journey – die Kanal-Challenge“ für Wirbel in der Szene. Mit diesem Film lieferten Sven Ihne und Andreas Hetzmannseder vor der Kamera mit Christian Keßler hinter der Linse einen besonders tiefen, dokumentarischen Film ab, der das Gefühl des Karpfenangelns für viele voll traf. Das Trio stellte sich mit diesem Projekt einer besonderen Herausforderung, denn die Ruhrgebietskanäle sind nicht dafür bekannt, einfach zu sein. Sven Ihne war dort lange zuhause. Er hat Antworten auf unsere Fragen zu den Besonderheiten der Kanalangelei in dieser Region:

Carpzilla: Herzlichen Glückwunsch zu diesem Film Sven, es war eine Freude, ihn anzusehen! Was verbindet dich mit den Kanälen des Ruhrgebietes – oder besser: mit der Region im Allgemeinen?

Sven: Vielen lieben Dank für das schöne Feedback zum Film. Ich denke, wir haben da etwas ganz gutes abgeliefert, was den Leuten gefällt und einen guten Vibe fürs Karpfenangeln vermittelt. Christian, Andy und mir war es wichtig, eine authentische Sache darzustellen, mit allen Ecken und Kanten, welche einem beim Karpfenangeln begegnen können. Das ist uns, und insbesondere Chris, welcher die Kameraarbeit und den Schnitt gemacht hat, denke ich, sehr gut gelungen. Meine Verbindung zum Ruhrpott und somit auch zu den Kanälen in der dortigen Region ist schnell erklärt. Ich habe in Dortmund eine prägende und wichtige Phase meines Lebens verbracht, sowohl privat wie auch anglerisch. Fünfzehn Lebensjahre sind nicht wenig und aus so einer langen Zeit nimmt man einiges an Erinnerungen und Lebenserfahrung mit. Der Kanal hat in dieser gesamten Zeit immer eine wichtige Rolle gespielt.

Carpzilla: Warum Kanal? In dieser Region mangelt es ja nicht an Baggerseen oder anderen Gewässern? Der Kanal lockt nicht gerade mit bequemem Angeln, oder?

Sven: Als ich damals begonnen habe, am Kanal zu Angeln ist es aus den Umständen heraus entstanden. Klar habe ich die Möglichkeit gehabt, an andere Gewässer zu fahren, jedoch hätte ich dafür weitere Strecken mit dem Auto zurücklegen müssen. Das Kanalwasser hatte ich sozusagen direkt vor der Haustür. Ich kann mich schnell auf unterschiedliche Begebenheiten einlassen, somit habe ich zuerst das genutzt, was am einfachsten zu erreichen war. Als ich dann nach und nach tolle Menschen am Kanal kennengelernt habe, sich regelmäßig Fangerfolge einstellten und ich die Kanalangelei besser verstanden habe, hat es mich regelrecht eingenommen. Ich hatte überhaupt kein Interesse mehr an einer anderen Art von Gewässer. Was die Bequemlichkeit beim Kanalangeln angeht ist es etwas besonders. Man muss sich einfach an speziellen Orten wohlfühlen können und sich auf die Begebenheiten einlassen – dann erscheint es auch nicht mehr ungemütlich oder abstoßend. Es kann einige Zeit dauern, bis man sich an das Ambiente gewöhnt hat, aber dann ist es eigentlich wie überall, entweder man fühlt sich wohl oder nicht.

Carpzilla: Der Film vermittelt ein Gefühl für dieses Gewässer. Für dich ist es ein wichtiger Teil deiner anglerischen Laufbahn. Das hat auch mit Menschen zu tun, der lokalen Szene. Wie hat diese euer Projekt wahrgenommen?

Sven: Ich habe viele tolle Leute und Angler im Ruhrpott kennengelernt. Zu vielen habe ich heute noch gute Beziehungen und einige sind sogar langjährige Freunde. Wer davon jetzt zur lokalen Szene gehört müssen andere einordnen, das liegt mir fern. Ich denke, die Frage zielt etwas darauf ab, ob es Gegenwind von den aktuell ansässigen Anglern über ein Filmprojekt in ihrer Region gab, oder?  Ich denke, da muss man sich zuerst immer die Frage stellen, ob es grundsätzlich korrekt ist, das Angeln an öffentlichen Gewässern in bewegten Bildern zu dokumentieren. Egal wo. Irgendjemand fühlt sich immer und überall auf die Füße getreten, wenn man Geheimnisse lüftet oder Insiderwissen der Öffentlichkeit zugänglich macht. Wenn man sich dazu entscheidet, die Öffentlichkeit zu suchen, muss man mit Gegenwind rechnen. Unter Anglern bläst dieser Wind oft häufiger stark als woanders – so scheint es mir – aber das ist ok. Die Tatsache, dass diese Art von Kritik gerne von Personen kommt, die besonders gerne und große Mengen frei zugänglichen Content in Form von Angelvideos konsumieren relativiert die Sache für mich doch enorm. In unserem speziellen Fall ist mir fast niemand bekannt, der sich in einem persönlichen Gespräch negativ geäußert hat. Eher im Gegenteil, viele da draußen, speziell von den Anglern, welche aus der Region kommen oder den Kanalabschnitt kennen an dem wir gedreht haben, feiern das Video sehr und freuen sich, dass es Anerkennung von der gesamten Anglerschaft für ihre doch etwas spezielle Art der Angelei gibt.

Carpzilla: Respekt, für deinen ersten Auftritt bei so einem großen Projekt hast du das Ding ganz schön geschaukelt! Warst du gar nicht nervös? Wie ist es, bei so einer Sache mitzuwirken? Wir können uns vorstellen, dass da auch Druck im Spiel ist…

Sven: Vielen Dank. Tatsächlich ist es für mich bis auf einige kleine Projekte unter Freunden das erste mal, das ich bei einer großen Produktion mitgewirkt habe. Richtig nervös werde ich selten, ich denke dazu bin ich ein zu gelassener Mensch. Aber klar war ich mir oft unsicher in meinem Handeln und zweifelte einige Male an meiner Herangehensweise vor der Kamera, insbesondere wenn Chris regungslos hinter seiner Maschine stand und dann lediglich eine Aufnahme mit einem kurzen „OK“ beendete. Das konnte für mich in dem Moment vieles bedeuten, irgendetwas zwischen totalem Bockmist bis voll gut. Für ihn ist es jedoch eine gängige Situation seines Arbeitsalltages. Aber, und das muss ich wirklich betonen, sowohl Andreas wie auch Christian arbeiten auf einem höchst professionellen Level. Sie wissen beide zu 100 Prozent, was sie tun, sind schwer aus der Ruhe zu bringen und legen eine gute sowie gelassene Arbeitsweise an den Tag. Dieses Vorgehen der beiden hat einen großen Teil meiner Bedenken und Unsicherheiten im Keim erstickt. Auch dieses Vorgehen ist ein Teil von „The Journey“ und fügt sich sehr in das erfolgreiche Gesamtkonzept ein. Abschließend ist zu sagen, dass mir die Arbeit mit den beiden sehr gut gefallen hat. Es war oft wie mit zwei guten Kumpel beim Angeln zu sein und ich denke, wir werden sicher noch öfter gemeinsame Sessions erleben und in spannende und informative Videos verpacken.

Carpzilla: Das hoffen wir doch auch! Was würdest du rückblickend an eurer Herangehensweise verändern?

Sven: Es stand schon lange im Raum, dass wir an diesem doch besonderen Kanalstück mal eine professionelle Produktion machen möchten. Ich kenne Christian schon viele Jahre, er hat früher selber dort auf Karpfen gefischt und für mich hat dieser Teil des Kanals eine historische Bedeutung. Schon vor vielen Jahren haben wir darüber gesprochen was man machen könnte mit dem Hintergrund, es in ein passendes Format zu bringen. Mit der „The Journey“ Serie auf dem deutschen Korda YouTube Kanal hat Chris sich im vorletzten Jahr eine Möglichkeit geschaffen, mit seiner Kreativität hinter der Kamera und vor allem im Schnitt eigene Wege zu gehen. Wege, die vielleicht nicht immer genau den kommerziellen Richtlinien eines großen Tackel-Herstellers folgen, jedoch heutzutage ein Filmerlebnis abliefern, welches nicht alltäglich ist. Erst mit diesem Schritt schien uns die Zeit gekommen, den passenden Rahmen zu haben, um den Kanal und seine dortige Angelei gebührend darzustellen. Mit Andreas hatten wir einen weiteren guten Angler im Boot, welcher sich hervorragend mit der Kanalangelei auskennt, jemanden der richtig Bock auf Neues hat und natürlich auch das Sprachrohr seitens Korda ist. Unsere Herangehensweise war sicherlich manchmal etwas chaotisch, jedoch haben wir alle drei soviel an Zeit gegeben wie es in unserer aktuellen Situation möglich ist. Wir waren immer alle sehr fokussiert auf das Ziel und niemandem von uns ist zwischenzeitlich die Puste ausgegangen, auch wenn es nicht immer einfach war und die Motivation einige Male sehr gelitten hat. Rückblickend würde ich also sagen, dass wir im hier und jetzt nicht großartig viel an unserem Vorgehen ändern würden, außer, dass wir auch an einem stressigen Tag mit Location-Touren und Videodreh regelmäßiger Essen sollten…

Vielen Dank für deine Zeit Sven!

 

Hier geht’s direkt zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=LKVxTFwfkbM

Hier kannst du dir ansehen, welche Rigs und Taktiken Andreas und Sven am Kanal einsetzen: https://www.youtube.com/watch?v=8o-qi6DXSpU

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Heute um 19:00 Uhr: Kids on Carp Videoclip
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Carpzilla-News 17.07.2014

Das Kids on Carp Jugendangeln hat sich über die letzten Jahre zu einem ganz besonderen Event entwickelt. Unabhängig von Wohnlage, Sponsor und anglerischem Hintergrund trifft sich einmal im Jahr eine ganze Gruppe von hochkarätigen Angelexperten um interessierten Jugendlichen Wissen und Werte zu vermittlen. Dabei scheuen die Organisatoren um Moritz Rott und Jan Ulak keine Mühen um Jahr für Jahr Experten und Sponsoren zu akquirieren und das Wochenende für die Jugendlichen zu etwas ganz besonderem zu machen. Ein gutes Gewässer ist dabei von ebenso großer Bedeutung wie vernünftige Verpflegung und fundierte Vorträge. Das alles geschieht ehrenamtlich! Selbst die Sponsoren bekommen keine gesonderte Erwähnung. Sie werden zwar auf der Kids on Carp Seite unter einem Link gelistet, das wars dann aber - im Vordergrund stehen die Jugendlichen und ihre Bedürfnisse. Wir von Carpzilla beteiligten uns im letzten Jahr zum ersten mal an diesem vorbildlichen Event: Mit Geschenken und mit einem Videodreh um das 2013er Event festzuhalten! Wir freuen uns ab Sonntag um 19 Uhr den vierminütigen Clip auf Carpzilla TV zu präsentieren! Auf diesem Weg möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bei den Organisatoren, den Experten, allen Sponsoren und natürlich bei den tollen jugendlichen bedanken. Es war ein supercooles Wochenende und wir freuen uns schon auf das nächste Event! Mehr zum Event könnt ihr schon jetzt auf der Kids on Carp Seite erfahren:http://kidsoncarp.jimdo.com

Korda´s Journey ist zurück: Hassliebe Kanal mit Ihne und Hetzmannseder.
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Kanalangeln kann rau und anstrengend sein, lässt einen aber nicht mehr los, sobald es dich einmal gepackt hat. Sven Ihne und Andreas Hetzmannseder nennen die Rinne schon lange ihr zweites Zuhause. Im neusten „The Journey“ Part begleitet ihr die beiden eine komplette Saison lang an einem großen deutschen Schifffahrtskanal, der sie vor einige Herausforderungen stellt. Wir haben die Infos zum Streifen in Kinofilm-Qualität.Eine Saison am KanalFrühling, Sommer, Herbst – drei Jahreszeiten, die zum einen verschiedene Gegebenheiten mit sich bringen, zum anderen verschiedene Vorgehensweisen verlangen. Andi, Sven und Kameramann Chris nehmen die Challenge an und setzen sich zum Ziel das ganze Jahr über Karpfen an einem Ruhrgebietskanal zu fangen. Als Grundlage dafür muss allerdings erst eine elementare Aufgabe erledigt werden: Fische suchen und Fische finden – und zwar immer wieder aufs Neue. Gar nicht mal so leicht an einer kilometerlangen Wasserstraße. Hinzu kommen für die Kanalangelei typische Beigeschmäcker: Strömung, Schiffsverkehr, ein überschaubarer Fischbestand und sogar starker Krautbewuchs. Doch Sven und Andreas zeigen vollen Einsatz, nehmen einige Kilometer auf sich, schaffen es die Fische kontinuierlich ausfindig zu machen und fangen durch gut geplante Kurzsessions. Darunter fallen sogar einige der Topfische aus dem Gewässer.Realness statt WellnessDer neuste „The Journey“ Part ist tiefgründig, authentisch und vor allem real! Erfolgreiches Kanalangeln benötigt viel Hingabe und Disziplin. Bringt man die dafür notwendige Mühe auf, wird man aber auch belohnt. Genau diese Werte soll der Film zum Ausdruck bringen. Umhüllt von einer aufwendigen und hochqualitativen Produktion – der Handschrift von Kordas Filmemacher Christian Keßler. Wir wünschen beste Unterhaltung, Film ab:

Der Einfluss des Windes aufs Karpfenangeln.
Was der Wind bewirkt - von Sommerstagnation bis Herbstzirkulation: Michael Lechelt klärt auf!
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Nachgehakt 09.05.2020

Michael Lechelt arbeitet in der Abteilung Wasseruntersuchung eines Instituts für Umweltuntersuchungen und hat uns erst kürzlich in einem Interview die Bedeutung der Sprungschicht erläutert. In diesem Folgebeitrag geht er auf den Einfluss des Windes ein, um uns zu helfen, den Lebensraum Wasser noch besser zu verstehen.Angle in der warmen Jahreszeit im Wind und in der kalten am windabgewandtem Ufer! Gerade unter den Karpfenanglern ist diese alte Regel bekannt. Gleiches gilt aber auch für die anderen Friedfische und Raubfische, die den Futterfischen folgen. Wieso ist das aber so und wann genau ist der Wendepunkt zwischen diesen beiden Gegebenheiten? Dieser Artikel erklärt Euch die tatsächlichen Zusammenhänge und hilft Euch so, die Fische besser zu finden.Wie wir alle wissen, ist das Wichtigste beim Angeln die Lokalisation der Fische bzw. die Kenntnis über deren potentielle Aufenthaltsorte. In meinem Interview zur Sprungschicht haben wir uns mit dem wahrscheinlichen Aufenthaltsort der Fische hinsichtlich der Wassertiefe beschäftigt. Wir können ihren Standort aber oftmals noch weiter einschränken, wenn wir zusätzlich die Windrichtung beachten. Die zentrale Bedeutung für den Aufenthaltsort der Fische hat auch hier wieder die Wassertemperatur, weil die wechselwarmen Tiere meist wärmere Temperaturen bevorzugen und diese können in einem stehenden Gewässer, nicht nur in der Tiefe, sondern auch an den verschiedenen Ufern, sehr variieren! Die folgenden Betrachtungen beziehen sich auf tiefere, stehende Gewässer wie zum Beispiel den typischen Vereins-Baggersee. Sie können nicht auf Fließgewässer übertragen werden. Um den Einfluss des Windes auf die Fische verstehen zu können, müssen wir uns noch einmal mit einigen Grundlagen zum Element Wasser und dessen Eigenschaften beschäftigen. Dazu sollten wir die Bedeutung folgender Begriffe aus der „Limnologie“ (Binnengewässerkunde) verstehen. Dichteanomalie des WassersSommer- und WinterstagnationFrühjahrs- und Herbstzirkulation Dichteanomalie des WassersWasser hat seine höchste Dichte bei genau 4°C,  ist dann also am schwersten! Das heißt also, bei Temperaturen über 4° C ist es leichter und bei Temperaturen unter 4°C ist es auch leichter! Wasser ist mit Temperaturen unterhalb 0°C (Eis) am leichtesten und schwimmt auf wärmerem Wasser. Für uns eine Selbstverständlichkeit, bei den meisten anderen Flüssigkeiten ist dies aber nicht so. Hier nimmt die Dichte mit sinkender Temperatur kontinuierlich zu. Ohne diese spezielle Eigenschaft wäre das Leben im Wasser in unseren Breitengraden gar nicht möglich, denn anderenfalls würde ein Gewässer von unten nach oben zufrieren und jedes Leben im Winter vernichten.Sommer- und WinterstagnationSowohl in einem kalten Winter, als auch im Sommer kommt es zu einer stabilen Temperaturschichtung des Wasserkörpers, so dass auch der Wind diesen nicht mehr durchmischen kann. WinterstagnationIm Winter befindet sich das wärmste Wasser mit 4°C direkt am Grund, das kältere Wasser befindet sich aufgrund seiner geringeren Dichte an der Oberfläche. Je kälter, desto weiter oben. Bei einer Eisbedeckung ist der Wasserkörper gegen jeden Windeinfluss geschützt. Allerdings bleiben auch unsere Gewässer nicht vom Klimawandel verschont. Bei einem Winter ohne längere Temperaturphasen unter 4°C entfällt die Winterstagnation! Einfluss des Windes während der Winterstagnation Vorausgesetzt, der See ist nicht mit Eis bedeckt, so bewegt der Wind das kalte  Oberflächenwasser auf das Wind zugewandte Ufer und es entsteht eine Oberflächenströmung, die auf das Ufer drückt. Daraus resultiert eine Unterströmung, die das kalte Oberflächenwasser entgegengesetzt fließen lässt. In kleineren Gewässern kann die Unterströmung bis ans entgegengesetzte Ufer reichen. Wärmeres Wasser aus tieferen Bereichen wird dann bis nach oben ans Ufer gedrückt. Die Fische sind bei diesen Bedingungen oftmals, aufgrund der etwas wärmeren Wassertemperaturen, an dem windabgewandtem Ufer zu suchen. Allerdings stehen die Fische im Winter generell recht tief und verlassen die 4°C „warmen“ Bereiche kaum. Da der Stoffwechsel erheblich reduziert ist, haben Sie möglichst unterströmungsberuhigte Gewässerbereiche aufgesucht. Dieses können tiefere Bereiche sein, windgeschützte Buchten oder eben auch Kanten am windabgewandtem Ufer. SommerstagnationIn der wärmeren Jahreszeit erwärmt sich das Oberflächenwasser und „schwimmt“ dann auf dem kälteren Tiefenwasser. Es bildet sich eine „Sprungschicht“ (Siehe auch Interview Sprungschicht), die den tieferen Wasserkörper von dem Wasserkörper an der Oberfläche trennt. Dies kann, bei windstillem Wetter,  bereits  ab einer Wassertemperatur von ca. 6°C geschehen. Allerdings ist diese warme Oberflächenschicht (Epilimnion) dann im Frühjahr noch recht unstabil und kann durch Wind wieder durchmischt werden.  Ab ca. 12°C bildet sich dann eine stabile Schichtung aus.Einfluss des Windes während der Sommerstagnation Der Wind bewegt das warme Oberflächenwasser auf das windzugewandte Ufer und es entsteht eine Oberflächenströmung, die auf das Ufer drückt. Daraus resultiert eine Unterströmung, die das warme Oberflächenwasser nach unten abführt. In kleineren Gewässern kann die Unterströmung bis ans entgegengesetzte Ufer reichen. Kälteres Wasser wird dann von der Sprungschicht bis nach oben ans Ufer gedrückt. Bei stärkerem Wind verläuft die Sprungschicht auch nicht mehr horizontal, weil die warmen Wassermassen an das windzugewandte Ufer gedrückt werden. Die Fische sind bei diesen Bedingungen sehr häufig an dem Ufer mit  auflandigem Wind zu suchen. Bringen wir an diesem Ufer zusätzlich Futter ein, so können die „Duftstoffe“ durch die Unterströmung weit in den See hinausgetragen werden. Das Futter kann so von den Fischen besser wahrgenommen werden und lockt diese zu unserem Angelplatz! Neben der Beeinflussung der Wassertemperatur, spielen in der wärmeren Jahreszeit aber weitere Faktoren eine wesentliche Rolle. Die Wellenbewegung erzeugt am windzugewandten Ufer oftmals eine Aufwirbelung von Sedimenten und Freispülung von Nahrung. Es kommt zu einer deutlichen Trübung des Wassers. Die Oberflächenströmung führt weitere Nahrung mit sich. Durch das angetrübte Wasser und die Geräusche der Wellen fühlen sich die Fische auch direkt am Ufer sicher. Gerade Karpfen lieben diese Trübungszone und so manche Sternstunde ist diesen Umständen zu verdanken!    Frühjahrs- und Herbstzirkulation Zweimal im Jahr kommt es in unseren Breitengraden in der Regel zu einer vollständigen Durchmischung des Wasserkörpers. Das Wasser zirkuliert also von unten nach oben und umgekehrt. Frühjahrszirkulation Die Lufttemperatur erwärmt das Oberflächenwasser. Wenn das Wasser 4°C erreicht, sinkt es ab! Kälteres Wasser steigt von unten nach oben auf! Es kommt zur Zirkulation, die vom Wind noch gefördert wird, bis der gesamte Wasserkörper 4°C erreicht hat. Für die Fische das Signal, die Winterquartiere zu verlassen. Sollte die Winterstagnation aufgrund zu hoher Lufttemperaturen (größer 4°C) entfallen sein, so gibt es auch keine Frühjahrszirkulation. Die Herbstzirkulation geht dann direkt in die Sommerstagnation über!Einfluss des Windes während der Frühjahrszirkulation Der gesamte Wasserkörper hat jetzt die gleiche Temperatur. Die Fische können sich jetzt theoretisch überall aufhalten. Der Einfluss des Windes spielt während dieser Phase eine eher geringere Rolle, weil keine Wassermassen unterschiedlicher Temperatur bewegt werden können. Allerdings können warme Winde und die Frühjahrssonne das Oberflächenwasser bereits erwärmen. Daher gilt: Bei höherer Lufttemperatur das windzugewandte Ufer aufsuchen bzw. in flachen Gewässerbereichen fischen, die von der Sonne schnell erwärmt werden. Herbstzirkulation Die Lufttemperatur kühlt das Oberflächenwasser ab. Wenn die Wassertemperatur hier Werte erreicht, die unterhalb derer im Tiefenwasser (Wasserkörper unterhalb der Sprungschicht) liegt, so sinkt das Oberflächenwasser ab! Dieser Prozess beginnt bei ca. 10°C, je nach Tiefe und Größe des Gewässers (bei sehr großen und tiefen Gewässern ist es auch im Sommer unter der Sprungschicht sehr kalt). Der gesamte Wasserkörper wird durchmischt und die Sprungschicht löst sich auf. Die sauerstofffreien Bereiche, die oftmals im Tiefenwasser vorhanden waren, verschwinden. Dieser Zyklus setzt sich fort, bis der gesamte Wasserkörper 4°C erreicht hat. Der Wind fördert diesen Prozess maßgeblich. Einfluss des Windes während der Herbstzirkulation  Der gesamte Wasserkörper hat jetzt die gleiche Temperatur. Der Einfluss des Windes spielt während dieser Phase eine eher geringere Rolle, weil keine Wassermassen unterschiedlicher Temperatur bewegt werden können. Allerdings können kalte Winde das Oberflächenwasser weiter abkühlen. Auch in dieser Phase können sich die Fische eigentlich überall aufhalten. Jedoch ist der Stoffwechsel der Fische bereits verlangsamt und zwingt die Fische zu einer möglichst energiearmen Verhaltensweise. Ab ca. 6°C ziehen sie kaum noch umher und suchen möglichst unterstömungsberuhigte Gewässerbereiche auf. Dieses können tiefe Bereiche sein, windgeschützte Buchten oder eben auch Kanten am windabgewandten Ufer. Fazit und Faustregeln:PhaseTemperaturbereichAngel-Ufer bei WindFrühjahrszirkulationab Erwärmung der Oberflächenwassertemperatur auf über 4°CFische am windzugewandten Ufer, wenn die Lufttemperatur über der Wassertemperatur liegt. Andernfalls umgekehrt.SommerstagnationAusbildung der Sprungschicht, Temperaturen ab ca. 6 - 12°CFische am windzugewandten Ufer  Herbstzirkulationab Abkühlung der Oberflächenwassertemperatur auf ca. 10°CFische am  windabgewandten Ufer, wenn die Lufttemperatur unter der Wassertemperatur liegt. Andernfalls umgekehrt.WinterstagnationOberflächentemperatur unter 4°C, Wasserkörper mit 4°C am Grund am wärmstenFische am windabgewandtem Ufer (macht aber nur Sinn, wenn es hier auch tiefere Bereiche gibt) Zur Planung des nächsten Angeltrips solltet ihr daher immer über die Windvorhersagen informiert sein. Dafür gibt es hervorragende Apps fürs Handy. In der Kartendarstellung könnt ihr die genaue Windrichtung und Stärke auf die verschiedenen Ufer des Sees vorhersehen (links: Windy, rechts: Windfinder). Die Kenntnis über die Wassertemperatur ist entscheidend, um diese vier verschiedenen Phasen im Verlauf eines Jahres bestimmen zu können. Daher darf ein geeignetes Thermometer beim Angeln nie fehlen! Letztendlich geht es eigentlich immer nur darum, das Ufer mit dem wärmsten Wasser zu finden. Das kann z.B. im Frühjahr, entgegen der Faustregel, auch eine sonnenbestrahlte, flache Bucht sein, die im Windschatten liegt!Michael LecheltTeil 1 verpasst? Den Beitrag zur Sprungschicht liest du hier:https://www.carpzilla.de/mag/interview/das-bewirkt-die-sprungschicht-ein-interview-mit-michael-lechelt-14065.html

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