Viele Angler träumen vom eigenen Boot, um damit die Gewässer dieser Welt erkunden und befischen zu können. Der Österreichische Zebco-Teamangler Johann Troppacher hat sich diesen Traum erfüllt und sich mühevoll sein persönliches Wunschboot geschaffen - ein Kajütboot mit Schlafmöglichkeiten.. Wie er dabei vorgegangen ist und worauf es bei der Restauration ankommt, lest ihr in seiner Do-it-yourself-Story:Die VorgeschichteDer Traum vom eigenen Boot - ich habe mir ihn erfüllt. Nach monatelanger Suche im Internet habe ich genau das Model gefunden, das ich wollte: Es wurde ein echter Oldtimer! Plötzlich stand ein Boot in meiner Hauseinfahrt und ich konnte es selbst kaum glauben. Es ist 5,20 Meter lang und die Kajüte bietet Schlafplätze für zwei Personen. Im Heck befindet sich darüber hinaus ein ca. 2,20 Meter x ca. 1,60 Meter großer, begehbarer Bereich. Genehmigt wurde das Boot laut der zugehörigen Originaldokumente von der Nationalen Föderation der Schiffs- und Bootsbauer in London und die erstmalige Zulassung erfolgte 1984 in Österreich. Später verbrachte das Boot einige Jahre in Deutschland und nun habe ich es in die Heimat zurückgeholt.Entschieden habe ich mich für genau dieses Modell, weil ich es unter anderem für seine Kajüte schätze. Diese bietet genügend Liegefläche für zwei Personen, hält Regen, Hagel, Sturm und Kälte ab und bietet dadurch den idealen Rückzugsort, um sich bei widrigen Bedingungen zurückzuziehen, zu arbeiten oder einfach nur zu chillen und auf den nächsten Biss zu warten. Außerdem sagt mir der Stil des Bootes extrem zu.Die Freude war groß, doch bevor es losgehen konnte, mussten zunächst mehrere Wochen an Arbeit in das Boot investiert werden. Mithilfe eines guten Freundes, der dasselbe Bootsmodel besitzt und dessen Bruder, ein Elektriker, startete ich das Projekt.Diese Bootsrestauration habe ich mit der Fotokamera dokumentiert, die einzelnen Arbeitsphasen zu Papier gebracht. Entstanden ist eine Step-by-step-Berichterstattung über meine erste Bootsrestauration, die ich gerne mit euch teilen möchte. Eine Story, über die Verwandlung der alten, roten Lady in die neue, grüne „Sabrina“. Nach alter Tradition bekam mein Boot einen weiblichen Namen, natürlich den Namen meiner Frau. Aber der Reihe nach:Schritt 1: Ausschlachten - die nackte Wahrheit Zu allererst habe ich das Boot ausgeräumt, alles abmontiert, geputzt und anschließend die nackte Schale und alle möglichen Schwachstellen genau inspiziert. Der Heckspiegel ist zum Beispiel immer eine möglich Schwachstelle, da unter anderem das Gewicht des gesamten Motors darauf lastet. Zum Glück hatte der Vorbesitzer den Heckspiegel erst kürzlich neu eingebaut. Die Schale war im Großen und Ganzen in Ordnung. Ich musste lediglich einige Kleinigkeiten kitten und zuspachteln.Schritt 2: Fenster verstärkenDie Fenster müssen dicht sein! Ich tauschte alle vorhandenen Schrauben gegen insgesamt 150 neue, rostfreie Edelstahl-Schrauben. Diese verkürzte ich anschließend mit der Flex und versah sie danach mit Edelstahl-Kopfmuttern. Durch diese Maßnahmen dichtete ich alles ab und bewirkte zusätzlich, dass man nicht so leicht an den Schrauben hängenbleiben und sich verletzen kann. Zusätzlich baute ich in den Zwischenraum zwischen Fenster und Boot einen speziellen Schaumstoff, der bei Druck, also durch den Zug der Schrauben zu 100 % wasserdicht ist.Schritt 3: Schleifen & AbklebenAls Vorbereitung fürs Lackieren musste ich den bestehenden Lack anschleifen, teilweise händisch, teilweise mit einer Schleifmaschine. Dann habe ich die Plexiglasscheiben, die Reling, etc. abgeklebt. Anschließend wurde nochmal alles geputzt, damit der Lack auf saubere Flächen aufgetragen wurde, auf denen er auch langfristig greifen konnte. Und schon war das Boot fertig zum Lackieren. Kleine Anmerkung: Beim nächsten Mal bin ich gescheiter und werde die Fenster einfach herausnehmen zum Lackieren. Learning by Doing…Schritt 4: FarbwechselDer Vorbesitzer hatte das Boot weiß lackiert, für mich ein absolutes No-Go! Ich will beim Angeln getarnt sein, weil ich meine Ruhe haben will. Die Wahl der neuen Farbe fiel mir also nicht schwer. Das Boot wurde in einer professionellen Lackiererei lackiert. Das war mir wichtig, denn die Farbe soll einige Zeit halten und muss im Verlauf der Jahre vielen Strapazen standhalten. Ich konnte es kaum erwarten, das Schmuckstück im neuen Look zu sehen. Sieht doch besser aus in RAL 620, oder was meint ihr? Schritt 5: Dachluke Bei der Dachluke habe ich denselben Schaumstoff eingebaut, wie bei den Fenstern und dichtete diese dadurch ab. Schritt 6: GripDanach habe ich den Grip links und rechts am begehbaren Deck befestigt. Sicherheit geht vor!Schritt 7: SchirmhalterungenAnschließend waren die Schirmhalterungen an der Reihe. Mit dem passenden Schirm, den ich darin fixieren kann, habe ich Schatten im kompletten Heckbereich.Schritt 8: Aus alt mach neuIch wollte, dass die Originalität des Bootes so gut es geht erhalten bleibt. Hupe, Positionslicht, Dachreling, sowie die hintere Abdeckung und zwei Bootssessel aus Leder wurden restauriert, gereinigt sandgestrahlt und neu lackiert.Schritt 9: Close the doorAuch die Tür wurde abgeschliffen und lackiert. Das erneute Einbauen derselben war gar nicht so einfach und hat mich einige Nerven gekostet…Schritt 10: Rod Pod & RutenhalterNun folgte wieder ein aufregender Arbeitsschritt: Das Montieren der Halterungen für Rod Pods und Welsrutenhalter. Ich kann jeweils ein Rod Pod links und rechts aufbauen. Halterung und Rod Pod sind handgebaut, speziell für die Bootsangelei ausgelegt und deshalb schnell aufbau- und schwenkbar. Die Welsrutenhalter sind aus Edelstahl, selbst konstruiert und gebaut. Ich kann das ganze Gestell für mehrere Ruten verwenden oder auch einzeln Ruten auslegen.Schritt 11: Das Boot wird zum Leben erweckt!Zuerst montierte ich das Positionslicht, danach wurde das Schaltbord eingebaut. Das Schaltbord stellt die Zentrale für die Lichtsteuerung dar. Dieses verfügt außerdem über eine Spannungsanzeige für die Batterie und über USB-Anschlüsse. Alle Kabel wurden verlegt, die Lichter montiert und angeschlossen. Montiert wurden Frontlicht, zwei Seitenlichter (grün und rot), Innenbeleuchtung, indirekte Außenbeleuchtung und zusätzlich ein starker Scheinwerfer zum Fotografieren in der Nacht. Wie ein kleines Kind spielte ich am Schaltbord mit den ganzen Lichtern, als alles funktionierte. Weiterhin wurde eine Bilgepumpe eingebaut, die man mittels Retro-Kippschalter bedienen kann. Auch die Hupe, sowie ein fixes Echolot wurden montiert und sorgfältig verkabelt. Somit hängen an dem Boot keine störenden Kabel herum. Zu guter Letzt wurde die 520 Amperestunden Aquamot Batterie eingebaut. Und das Beste: Alles funktionierte!Schritt 12: InnenverkleidungDie Innenverkleidung wurde von einem professionellen Polsterer angebracht. Mittels eines speziellen Klebers, der auf GFK gut haftet, wurde zuerst ein Unterfilz angebracht und danach ein Kunstleder mit einer starken, schmutz- und wasserabweisenden Oberfläche. Für den Boden der Kabine habe ich ein Stück Kunstrasen zugeschnitten und eingesetzt.Schritt 13: Bemalung der KabineLangsam aber sicher nahm das Boot Form an. Der nächste Arbeitsschritt war das Bemalen der Kabine. Dafür verwendete ich dieselbe Farbe wie außen.Schritt 14:Anschließend habe ich noch einen Kunstrasen für den Boden am Heckbereich zugeschnitten und ausgelegt.Schritt 15: MotorisierungIch habe für mein Boot einen Minn Kota 80 LBS Elektromotor gekauft. Mit dieser Motorisierung kann ich in Österreich auf allen stehenden Gewässern ohne Bootsführerschein fahren.Und fertig ist das Boot! Es war viel Arbeit, aber es hat Spaß gemacht.Als ich „Sabrina“ schließlich zum ersten Mal zu Wasser gelassen habe, war ich aufgeregt. Hoffentlich ist alles dicht…Glücklicherweise war es so dicht wie erwartet und die erste Karpfen-Session mit dem Boot war der Hammer! Mittlerweile habe ich mir schon die nächste Baustelle zugelegt, wieder dasselbe Modell, doch bei diesmal werde ich mehr Arbeit haben…Weitere Information, Inhalte und Beiträge von uns mit Johann Troppacher findet ihr hier:Johann Troppacher
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