+ Kolumnen
|
19.06.2019
PECKS TAGEBUCH - mit Security am Parksee
Wenn du mein letztes Tagebuch gelesen hast, wirst du dich vielleicht daran erinnern, dass ich ein paar Tage frĂŒher als geplant vom Orient verschwand â ich wurde förmlich weggeblasen... Doch die nĂ€chste Mission stand bereits an. Ein 1.000 Hektar groĂer Parksee-Komplex bei einer französischen GroĂstadt, verrufen, gefĂ€hrlich, nicht einfach. Doch ich hatte Dan an meiner Seite...Eine neue MissionDie freie Zeit lungerte ich am Gigantica herum und sortierte meine AusrĂŒstung fĂŒr einen bevorstehenden Dreh mit Danny und der Korda-Crew. Unser Ziel: ein fast 1.000 Hektar groĂer Parksee, der in der Vergangenheit einige auĂerordentlich groĂe Karpfen produzierte. Unsere Informationen waren bestenfalls begrenzt, aber Dan war zuversichtlich, dass wir es schaffen wĂŒrden. In Vorbereitung auf diese Sitzung wurden die zustĂ€ndigen Behörden kontaktiert, um zu arrangieren, dass wir tatsĂ€chlich im Park filmen dĂŒrfen. Was mit der Frage begrĂŒĂt wurde, wie viel bereit wĂ€ren, dafĂŒr zu zahlen... Es kam ein Deal zustande, mit dem Vorteil, dass wir mit dem Auto in den Park durften. Das alleine waren die Kosten wert. Dieses spezielle Gebiet Frankreichs ist bekanntlich gefĂ€hrlich, die Fahrzeuge wĂ€ren extrem anfĂ€llig fĂŒr Diebstahl und Vandalismus gewesen, wenn wir sie auf den öffentlichen ParkplĂ€tzen abgestellt hĂ€tten. Abgesehen von diesem kleinen Vorteil hatten wir aber alle anderen Regeln zu befolgen. Das bedeutete: Tagangeln! Wir mieteten eine HĂŒtte (franz.: Gites), die 15 bis 20 Minuten vom Parkeingang entfernt lag.Big IanIch startete vom Gigantica aus, die Jungs kamen aus UK und doch schaffte es Dan tatsĂ€chlich, mich auf der Autobahn zu ĂŒberholen. Um 17 Uhr trafen wir uns am See. Und hier sollte ich zum ersten Mal unsere Security (kein Scherz) kennenlernen: BIG Ian! Er rollte ganz anders als erwartet in einem blauen Citroen Berlingo auf. Ich muss zugeben, ich rechnete mit etwas MĂ€nnlicherm, zumindest mit verdunkelten Fenstern... Als ich dann aber zusah, wie er sich aus dem Fahrzeug zwĂ€ngte, stellte sich Vertrauen in seine FĂ€higkeiten ein. Ich bin 1,93 Meter groĂ und wiege etwa 100 Kilo, gegen Ian bin ich mickrig! Der Mann ist ein verdammter menschlicher Berg! GröĂer als ich und so breit wie ein Kleiderschrank. Zittrig reichte ich ihm die Hand: âSchön, dich kennenzulernen, Ian, guter Handschlag, aber du hast keine Waffenâ, sagte ich. Er lĂ€chelte nur: âWarte ab und schaue selbstâ. Das verlockende ReservatAm Abend blieb uns noch genug Zeit fĂŒr eine Erkundungstour mit den Schlauchbooten. Und erst auf dem Wasser bekamen wir so wirklich mit, womit wir es hier zu tun hatten: Eine sehr groĂe Kiesgrube, wahrscheinlich der gröĂte See dieser Art, den ich je gesehen habe. Der Kies selbst ist viel gröĂer als das, was ich in GroĂbritannien gewohnt bin, aus eiergroĂen Steinen, wie es in dieser Region Frankreichs ĂŒblich ist. Das Wasser war klar, der Pegel niedriger als die maximale KapazitĂ€t. In der Ferne lagen mehrere Inseln, von denen die nĂ€chstgelegene riesig war, gelegen in gut 400 bis 500 Metern Distanz. Dahinter lag ein Naturschutzgebiet, das auf der Karte rot markiert war. Zwischen dem wechselnden Lichteinfall, der es durch die Wolken schaffte, konnten wir weite Krautgebiete und flache, saubere Stellen sehen. Ich fuhr in Richtung Schongebiet, da es die AusgĂ€nge aus diesem Bereich waren, die mein Interesse geweckt hatten. Ich wusste nur zu gut, dass sich in solchen Gebieten oft Karpfen aufhielten. Auf der Route passierte ich viele perfekte SchotterplĂ€tze, die ideal aussahen, um Rigs zu prĂ€sentieren, aber die Frage war, ob es in der NĂ€he Karpfen gab. Das Reservat selbst war nicht ĂŒbermĂ€Ăig groĂ, aber schon allein durch den Blick von oben mit Google Earth wusste ich, es schrie hier nach Karpfen. Es lag hinter zahlreichen Inseln und es waren die LĂŒcken zwischen diesen Inseln, die Ein- und AusgĂ€nge bildeten. Der erste dieser EingĂ€nge war mit Kraut gefĂŒllt, das aussah, als wĂ€re es untertunnelt. Direkt vor diesem groĂen Bett befand sich ein riesiger heller, sauberer Fleck, und das lieĂ sofort mein Herz schneller schlagen. Bei genauerem Hinsehen lag dort ein Rohr ĂŒber dieser Stelle, das zu 100% von den Fischen genutzt wurde, um sich daran zu reiben. Ich nenne das Flankenpunkt. Irgendwann musst du angelnSchicke Stellen fanden wir genĂŒgend, sahen aber keine Karpfen. Nach einem kurzen Bad luden wir die Sachen in der einbrechenden Dunkelheit in die Vans, es kĂŒhlte merklich ab. Diese Aufgabe fĂŒhlte sich auf einmal sehr real an. Die Wettervorhersage fĂŒr den nĂ€chsten Tag versprach starke SĂŒdwinde und wir beschlossen, dass wir bei Tageslicht ankommen und im Wind nach springenden Fischen suchen wĂŒrden. Damit und mit anderen Location-Aktionen verbrachten wir den ganzen Tag und sahen...nichts. NatĂŒrlich konnten wir so nicht weitermachen, nicht mit der Filmcrew im Nacken. Also beschlossen wir, am Abend vorzufĂŒttern und am nĂ€chsten Morgen die Ruten auf Futter zu legen. Der groĂe freie Bereich am Eingang zum Reservat war mein bevorzugter Bereich und ich befĂŒtteret diesen mit einem groĂen Eimer Tigers und Mais. Auf dem Weg zum Ufer im Boot passierte ich ein Gebiet mit Schilf im offenen Wasser und erschreckte etwas, als ich vorbeikam, das extrem karpfenartig aussah. Der SĂŒdwind hatte den ganzen Tag in dieses Schilf gedrĂŒckt und ich beschloss, hier auch etwas Futter zu verteilen. ZurĂŒck in der HĂŒtte im Bett ging mir diese Begegnung nicht aus dem Kopf, es war ein Karpfen, ich wusste es einfach! Am Morgen in der DĂ€mmerung trug ich das Tackle zum Ufer, richtete mein Camp ein und pumpte das Boot aus. Sobald das Licht ausreichte, setzte ich die Segel in Richtung des nur etwa 100 Meter entfernten Schilfes. Der Kiesboden, auf dem ich gefĂŒttert hatte, sah völlig sauber aus, jede einzelne Tigernuss war weg. Perfekt! Als ich alle 3 Ruten in Position hatte, waren meine Karpfensinne in HyperĂŒberlastung. Das wird schwierig...Was ich bei dem Bereich am Eingang des Reservats nicht erwartet hatte, waren die Hechtangler. Die Rute dorthin lag etwa 400 Meter weit kreuz und quer ĂŒber die Krautfelder. Am frĂŒhen Nachmittag hob ein Belly Boat-Angler diese Schnur an und bewegte das Rig definitiv. Ich beschloss, es erst spĂ€ter neu zu legen, um zu vermeiden, dass es wieder passierte. Als sich der Abend nĂ€herte, bekam mein Selbstvertrauen einen weiteren Schlag. Ich hatte eine Flut von Bissen auf der Schilfrute von einer Herde WeiĂfische. Es waren Hybriden aus Brassen und Rotaugen oder sowas, groĂ und gierig. Da war mir auch klar, dass es diese waren, die meine Stellen poliert hatten. Nach jedem dieser lĂ€stigen Fische positionierte ich das Rig neu und in der DĂ€mmerung sah ich dabei einen Spiegler von etwa 40 Pfund. Ich erschreckte ihn, aber mit dieser Sichtung hatte ich das GefĂŒhl, dass es bis zu einem ersten Take nicht mehr lange dauern sollte â doch uns rannte die Zeit davon. Als ich bereits Sachen zurĂŒck zum Van brachte, kam der Biss! Kein groĂer Fisch bei etwa 27 Pfund, aber der erste hier und der erste fĂŒr dieses Shooting. Wir hatten gerade den Release gefilmt, als auch die Rute zum Reservat sich meldete! Zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns hart an der Grenze der erlaubten Angelstunden und es war eine groĂe Erleichterung, als sich herausstellte, dass es sich um einen sehr kleinen Karpfen handelte...Das ZeichenTrotz groĂer Zuversicht, der folgende Tag verlief ohne Fisch. Der Wind hatte gedreht und sollte sich fĂŒr den Rest der Session so halten. Danny folgte ihm und das war ein guter Zug! Auch meine Spots verloren ihren Reiz. Ich nahm den Wind und die Horde WeiĂfische als Ausreden, um mir eine neue Ecke zu suchen. Und tatsĂ€chlich sah ich gegen Mittag in der Ferne zwischen den Wellen einen Kopf auftauchen â Karpfen! Ohne Ruten im Wasser fiel es mir leicht, mich voll auf diesen Bereich zu konzentrieren. Ich hielt ihn fest im Blick, wĂ€hrend ich am Ufer entlang in die Richtung ging. Auf halbem Weg sah ich einen weiteren Fisch springe und das war alles, was ich brauchte, um die nĂ€chstgelegene Uferposition zu bestimmen, um diese Gelegenheit anzugehen! Einmal dort wartete ich auf einen weiteren Fisch, der sich zeigte, um die Richtung und Distanz besser einzuschĂ€tzen. Und der kam keine 2 Minuten spĂ€ter:  Er sprang in einer Linie mit der Ecke einer Insel in etwa 110 Metern Entfernung. Bingo, es war jetzt an der Zeit, mein GerĂ€t zu holen.AutopilotIch befinde mich in diesen Situationen in einem Autopiloten, der darauf programmiert ist, dass das Platzieren eines Rigs so nah wie möglich am Fisch das Wichtigste auf der Welt ist. Die Filmcrew nervt dann nur, da sie stĂ€ndig meinen Fluss stoppen muss, um Aufnahmen zu machen, die sie eben braucht. Ich nenne das Karpfenangeln mit der angezogenen Handbremse. Es dauerte also, bis ich meine beiden Helis mit hoch gezogenen Perlen und hellen Pop-Ups etwa zwei RutenlĂ€ngen auseinander dort platziert hatte, wo sich der letzte Karpfen zeigte. Der erste Biss kam ĂŒberraschend schnell und lieĂ mich in Panik geraten: Die 0,43er Mono raste nur so von der Spule und es war bedrohlich wenig ĂŒbrig! Mehrfach musste ich beschĂ€digte Schnur runter nehmen in den vergangenen Tagen und hatte gar nicht auf dem Zettel, wie wenig nur noch drauf war. Der Fisch war nicht zu stoppen. GET IN!Ich schrie Paul mit der Kamera zu: âGET IN THE FUCKING BOAT NOW!â Und als er endlich an Bord war, gab ich Vollgas, um Schnur zu gewinnen â mit den ersten Metern auf der Spule kehrte auch in mir wieder etwas Ruhe ein. Ăber dem Fisch musste ich mehrfach enormen Druck ausĂŒben, um ihn aus dem Kraut zu befreien. Dieser Fisch war einfach nur zu krass, eine Neudefinition von stark. Der Drill zog sich ewig hin! Doch ich konnte ihn fĂŒr mich entscheiden. Und zurĂŒck am Ufer wog ich einen Spiegler mit unfassbar groĂen Flossen auf satte 53lb! FĂŒr mich war dieser Schachzug der Wendepunkt fĂŒr die Session. Am nĂ€chsten Morgen veranstalteten die Fische in dieser Region eine unglaubliche Show und hier begannen Dan und ich, uns auch wirklich mit ihnen zu beschĂ€ftigen. Wie auch immer, das ist genug fĂŒr den Moment, ich lasse vieles ungesagt, um den Film noch sehenswert zu halten. NĂ€chsten Monat werde ich mit Geschichten von einem schönen deutschen Fluss zurĂŒck sein.Tight lines,Pecky