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Deine Story / 20.07.2026

Die Tour der Zeiler – von David Rosemeier

Das lange Wochenende am Vatertag fiel in diesem Jahr punktgenau auf die Eisheiligen. Ein sarkastischer Jackpot, wenn man bedenkt, dass die kalte Polarluft die Gewässer wieder abkühlt und die Karpfen vielerorts eine Fresspause einlegen. Doch die Feiertage richten sich nun mal nicht nach dem Wetter, und so beschlossen Max Kleinkopf und ich, das lange Wochenende im Herzen Frankreichs zu verbringen… 
 
Es stand uns keine leichte Tour bevor, das war sofort klar, nachdem ich einen Blick auf die Wetter-App geworfen habe. Einstellige Temperaturen, viel Regen und kalter Wind sind genau das konträre Wetter zu dem, was ich mir für einen entspannten Roadtrip gewünscht habe. Doch das Zeitfenster ist schon lange gesetzt und die Chance, an einem der unzähligen Seen und Kanäle einen guten Fisch zu fangen, besteht nur, solange wir es versuchen. Bevor die Kältewelle über uns hinwegrollt, bleibt uns maximal ein halber Tag, um an einem flachen Krautsee unser Glück zu versuchen. Ich habe Glück und kann Max und mir einen der Topplätze am See sichern, bevor Max ebenfalls kurze Zeit später dazustößt. Wir verteilen kleine Fallen entlang unserer Uferseite und die Fische scheinen vor der hereinbrechenden Kältewelle noch mal richtig in Fresslaune zu sein. 
Max Kleinkopf mit Spiegelkarpfen über 40 Pfund.
Max Kleinkopf drillt Karpfen in Frankreich.
David Rosemeier mit großem französischen Spiegelkarpfen.
David Rosemeier mit altem dicken Spiegelkarpfen.
Drei Karpfenruten an einem französischen verkrauteten See.
Max Kleinkopf fängt besonderen Spiegelkarpfen.

Schnellstart mit Gewicht

Innerhalb weniger Stunden fangen wir mit unserer Taktik drei Fische mit über 20 Kilo sowie ein paar schicke 30iger. Für unseren Trip der perfekte Einstand in Frankreich, und die Fische auf der Habenseite bringen gleich etwas Entspannung für die nächsten Tage mit sich – schließlich ist es auf jedem Frankreich-Trip das Ziel, zumindest einen Fisch mit über 20 Kilo zu fangen. Die Stunden am Krautsee verfliegen und für uns wird es in der hereinbrechenden Dämmerung Zeit, an ein Nachtangelgewässer weiterzuziehen. Nach kurzer Zeit auf der Autobahn erreichen wir im Dunkeln einen kleinen Baggersee, an dem das Nachtangeln erlaubt ist. Bereits auf der Hinfahrt mache ich mir Gedanken, wie viele Angler wohl am See sitzen und welche Alternativen wir in der Hinterhand haben. Als wir in die enge Zufahrtsstraße des Sees einbiegen, leuchten bereits die ersten Kopflampen auf. Tatsächlich ist beinahe jeder Angelplatz von Franzosen und Holländern belegt, die alle das lange Wochenende am Wasser nutzen wollen. Wir beziehen eine der wenigen freien Stellen und werden unsanft vom benachbarten Karpfenangler darauf aufmerksam gemacht, dass er eine seiner Ruten genau vor diese freie Stelle gelegt hat – die Stimmung zu später Stunde könnte besser sein. Die Alternativen sind rar und so beschließen wir, unsere Ruten vor die Füße zu pendeln und am kommenden Tag neue Pläne zu schmieden.
Pop Ups und Hookbaits zum Karpfenangeln.
Regnerisches Wetter an französischem Baggersee.
Zwei Karpfenruten nach dem Regen im Sonnenlicht.

Der "Kühlschrank" öffnet sich

Am nächsten Morgen machen die Eisheiligen ihrem Namen alle Ehre: Es ist bitterkalt geworden, der Wind weht kräftig aus Nordost – und das alles Mitte Mai. Am ganzen See scheint es nicht zu laufen, und so beschließen wir nach einer kurzen Lagebesprechung und einem ersten Kaffee, an ein anderes Gewässer weiterzufahren. Tatsächlich kenne ich diesen See bereits von vorherigen Sessions und konnte dort immer ein paar gute Fische fangen. Die verwaisten Ufer lassen aber ebenfalls darauf schließen, dass auch hier momentan nicht viel zu holen ist. Ich beschließe, aufgrund der schnurscheuen Fische nur zwei Ruten zu angeln, und platziere sie punktgenau vor dem gegenüberliegenden Ufer. Der Tag vergeht ohne nennenswerte Aktion; die Fische scheinen während dieser Wetterphase einfach gar nicht zu fressen. Jetzt schlägt die Stunde von Pop-Ups, die ich Single Hook vor Totholz präsentiere. Bereits nach kurzer Zeit erbarmte sich ein langer Spiegler, dessen Flanke von einer hübschen Schuppenreihe gesäumt war – Zeiler-Alarm! Zwar ist der Fisch sicherlich kein Riese, doch ich hatte ihn bereits vor einigen Jahren an diesem See gefangen und freue mich über das Wiedersehen.
Karpfenangeln an einem kleinen französischen Kanal.
Perfekter dunkler Zeilenkarpfen für David Rosemeier.

Der Regen peitscht - wir bleiben dran

Das Wetter verschlechtert sich von Stunde zu Stunde und wir beschließen, die Zelte an diesem See abzubrechen. Doch an Aufgeben ist nach wie vor nicht zu denken. Auf Google Maps sticht mir auf der Suche nach neuen Gewässern ein altes Kanalstück ins Auge. Hier schwimmen zwar wenige, dafür aber besonders hübsche Fische, und das Wetter soll zumindest trocken bleiben. Nach einigen Stunden auf der Autobahn biegen wir endlich auf die Zielgerade ein. Der Kanal ist zu dieser Jahreszeit schon ordentlich verkrautet, doch mit der Drohne kann ich ein paar einzelne Fische ausmachen. Wir legen einige Meter am Ufer zurück, suchen nach freigefressenen Stellen und verteilen unsere Ruten weitläufig.
Futtermischung aus gelben Boilies, Tigernüssen und Pellets.
Multirig mit shot on the hook und Tigernuss-Fakemaiskorn-Köder.
Frische Crevetten und Zwiebeln auf dem Grill.

Brassenplage am Kanal

In den kommenden Stunden halten mich die Brassen auf Trab, doch ich möchte lieber weiterhin mit kleinen Tigernuss-Fallen angeln, bevor ich auf größere und selektivere Boilies ausweiche. Gerade beim Angeln auf alte Fische, habe ich so bessere Erfahrungen gemacht. Mein Durchhalten wird schließlich belohnt, als ein Dauerton am frühen Morgen endlich den ersten Karpfen ankündigt. Im trüben Kanalwasser sehe ich auf der Flanke – wie auch am Vortag am Baggersee – eine Schuppenzeile. Zwei unterschiedliche Gewässer, zwei Tage, zwei Zeiler – trotz Wetterkapriolen bilden diese bildhübschen Fische für mich die “Tour der Zeiler” und schreien nach einer baldigen Wiederholung des Roadtrips, dann aber bei besserem Wetter!
Dicker Zeilenkarpfen am französischen Kanal für David Rosemeier.
Zeilenkarpfen auf der Abhakmatte.
Alter kleiner französischer Kanal.
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