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Pecks Tagebuch / 09.11.2018

PECKS TAGEBUCH - Herbst am Orient #1

Im letzten Herbst konnte ich keine längere Session an den Lac de la Fôret d’Orient machen, Natalie war kurz vorm Platzen – wir erwarteten unsere Zwillinge. In diesem Jahr aber entschloss ich mich dazu, meine längeren, privaten Sessions auf dieses Gewässer zu fokussieren, einfach, weil es das ultimative Ding für mich ist, dort zu angeln! Begleitet mich in die erste von zwei Herbstsession!

Darrell Peck in seinem abgebrannten Van am Lac de la Fôret d'Orient.Darrell Peck in seinem abgebrannten Van am Lac de la Fôret d'Orient

Darrell Peck mit 28-Kilo-Karpfen aus dem Lac de la Fôret d'Orient.

Not for Pussies

Wenn ich auf meine vorausgegangenen Sessions zurückblicke, besonders die, bei der mir der Van abfackelte, so habe ich dort die Fische gefangen, auf die ich stolzer bin als auf jeden anderen in meiner anglerischen Laufbahn. Die Fotos machen es leicht, die Mammut-Blanks zu vergessen, die ihnen vorausgingen... Sie zeigen auch nicht die ungebremste Entschlossenheit, die es braucht, um an diesem herausfordernden Gewässer zum Erfolg zu kommen. Der Orient ist verdammt anspruchsvoll, er beansprucht Dich psychisch und körperlich. Um es mit dem Satz eines Holländers zu sagen, den ich dort traf: „Its not for Pussies.“ Doch er ist das Zuhause einzigartiger Fische, die selten das Ufer sehen und in einem natürlichen Umfeld zu Monstern heranwachsen. Noch dazu solchen, wie sie kultiger nicht sein könnten. Der klassische Orient-Karpfen ist eben genau mein Typ Fisch!

Hälst Du das aus?

Vielleicht erinnerst Du Dich an den 29 Kilo schweren Spiegler, den ich im Mai bei meinem ersten Trip 2018 an den See fing. Er kam gleich zum Start der Session, doch ihm folgten 7 Nächte blank. Insgesamt fischte ich 11 Nächte im Mai und konnte es so gerade noch retten: mit 4 kleinen Schuppis in den letzten 48 Stunden. Über den Sommer angelte ich viel beruflich für Korda und packte mir den Kalender so voll, dass mir der September und Oktober zur freien Verfügung standen! Noch vor ein paar Jahren hätte ich wohl den gesamten Herbst durchgeangelt, doch mit dem Alter, der Erfahrung und natürlich zwei Kids zuhause ist das selbst für mich nicht mehr erstrebenswert. Ich weiß, dass es viele gibt, die sich so eine lange Session am Orient erträumen, doch ich habe es erlebt und es fordert vor allem mental so sehr, dass es wenige wirklich durchziehen könnten. Ich sage das nicht, um mich selbst größer zu machen. Doch sich dort im Griff zu haben, ist wirklich der Schlüssel zum Erfolg! Für diesen Herbst jedenfalls hatte ich zwei Sessions geplant, eine im September, eine im Oktober – je 10 bis 14 Tage lang. Die Vorbereitung solcher Sessions ist enorm kraftraubend. Damals las ich von Irren, die lieber ruderten, um ihre drei Trümmer von Bleigel-Batterien zu schonen – nicht mit mir! Ich versuche immer, für alle Fälle gerüstet zu sein...und habe entsprechend mittlerweile ein kleines Vermögen in Boote, Motoren, Batterien und Ladegeräte investiert. Ich war so bereit wie noch nie für diese Sessions und konnte es nicht abwarten!

Darrell Peck macht die Hakenköder für seine Session am Lac de la Fôret d'Orient.Der Lac de la Fôret d'Orient ohne Wasser.

Eiliger Aufbruch

Für meinen ersten Trip hatte ich mir ein Areal ausgeguckt, dass ich noch nicht kannte. Und wie es das Glück wollte, bekam ich einen Tipp: Trevor Cooke besuchte den See für einen Erkundungstrip vor einer langen Session, die er im Oktober plante und landete genau in dem Areal. Wir tauschten ein paar Nachrichten aus und als ich las, dass er weit und breit keine Angler sah, musste ich einfach sofort los! Einkaufen, Sachen packen, Überfahrt buchen, Nachtfahrt starten! Um 4 Uhr morgens erreichte ich die Slippe und belud die Boote. Laut meiner Karten-App waren es rund 5 Kilometer gerade Strecke bis zum Swim auf der anderen Seite. Na dann... Langsam steuerte ich das Boot in der Finsternis an den Bojen vorbei und versuchte, Kurs zu halten, um bei dem Wasserstand nicht auf Grund zu laufen. Noch immer war ich nervös. Diese unterschwellige Befürchtung, dass vielleicht doch jemand mittlerweile den Platz eingenommen hatte, spürte ich deutlich. Doch als sich das Boot auf den Schlamm schob, der Platz frei war, konnte ich vor Müdigkeit nur noch die Liege aufbauen und fiel um. 

Sonnenaufgang am Lac de la Fôret d'Orient.

Mein Spot

Das Gefühl eines kräftigen Windes im Gesicht und das Geräusch des Wellenschlages weckten mich. Gute 100 Meter weit war das Wasser braun eingefärbt vom Uferschlamm. Und mit dem tiefgrauen Himmel darüber roch es förmlich nach Fisch! Wer am Orient angelt weiß: Den See teilt man mit den Raubfischanglern und die Regel besagt, dass wir nicht weiter als 150 Meter raus angeln dürfen. Doch es ist nahezu unmöglich, so nah überhaupt etwas zu fangen, die Rigs müssen weiter draußen liegen. Deshalb fische ich nur nachts und komme so keinem anderen in die Quere. Den restlichen Tag verbrachte ich also damit, das Camp einzurichten und auf die Dunkelheit zu warten. Ein schmales Flussbett, das parallel zum Ufer verläuft, macht die Qualität meines Areals aus. Bevor es bis in etwa 6 Meter Tiefe abfällt, ist der Boden von Kraut bedeckt und dort, wo das Flussbett wieder ansteigt, sieht es genauso aus. Es braucht nicht viel Fantasie, um zu wissen, wo die Montagen hin müssen! Obwohl die Vertiefung teilweise kaum eine Rutenlänge breit war. Ich führte die Rigs kontrolliert zum Grund und streute etwa 50 Boilies und drei Schaufeln Tigernüsse je Köder dazu.

Darrell Pecks Vorfächer für den Lac de la Fôret d'Orient.Übersichtskarte zum Lac de la Fôret d'Orient von Darrell Peck.

Distanzangeln am Lac de la Fôret d'Orient.

Tinca tinca?

In dieser Nacht gaben die Mücken alles, diese großen, gestreiften, die regelrecht ploppen, wenn man sie erwischt... Nachts um 2, im Bivvy verschanzt, standen meine Augen weit offen und ich schlürfte Tee auf Tee. Es war eine milde, feuchte Nacht und totenstill. Bis ich einen Karpfen springen hörte, 100% sicher: Karpfen! Das ist nicht die Regel an diesem See, dort werden selbst die Schleien so groß, dass sie sich anhören wie Karpfen. Doch das war ein richtiges „rat-a-tat-tat“, so laut, dass die Gänse danach schnatterten. Ich war völlig zerstört, doch das Vertrauen wuchs ins Unermessliche. Bis 8 Uhr am Morgen passierte jedoch nichts. Dass die rechte Rute ein paar Pieper von sich gab und minimal Schnur von der Rolle gezogen wurde, schob ich dem stärker werdenden Wind in die Schuhe. Gegen Mittag wiederholte sich das und diesmal nickte die Spitze deutlich. Schleie, dachte ich und pumpte etwas, das sich wie ein massiver Krautberg anfühlte, aus satten 400 Metern heran. Unweit vom Ufer zeigte sich dann doch tatsächlich ein kleiner Karpfen am anderen Ende unter den Krautmassen. Der arme Kerl hatte gute vier Stunden da draußen verbracht... Und wahrscheinlich alle Artgenossen bestens vergrault. Denn zur Strafe blankte ich die volle kommende Woche! 

Darrell Peck mit 16-Kilo-Schuppenkarpfen aus dem Lac de la Fôret d'Orient für Carpzilla.

Eine Woche Blank und die Wetterwende

In dieser Woche völlig ohne Aktion verschwor sich alles gegen mich: 30 Grad im Schatten, kein Wind, Schleien, Welse und Killer-Rotaugen. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, das durchzuziehen und auf bessere Bedingungen zu hoffen. Wegen der ganzen Störenfriede fütterte ich ordentlich und auf großer Fläche: An nur einem Tag verteilte ich 30 Kilo 26-Millimeter-Boilies über das gesamte Flussbett, hinzu kamen weitere 30 Kilo verteilt auf das Nachfüttern nach jedem weiteren Beifang... Alles für die Katz? Nein, mit den besseren Wetterbedingungen in der zweiten Woche fing ich einen 30er, so breit wie hoch – ein Monster der Zukunft! Am Folgetag brachte die selbe Rute, wieder die rechte, einen weiteren Fisch über 15 Kilo und wieder einen Tag danach einen Schuppi über 20 Kilo! So gar nicht passend zu meinem nun wieder aufgebauten Vertrauen zog ich die kommenden 24 Stunden wieder blank. 

Darrell Peck mit einem markanten Karpfen aus dem Lac de la Fôret d'Orient.

Darrell Peck mit 20-Kilo-Schuppenkarpfen aus dem Lac de la Fôret d'Orient für Carpzilla.Darrell Peck mit Schuppenkarpfen aus dem Lac de la Fôret d'Orient für Carpzilla.

Der Fisch des Trips

Der erste Run bei Nacht überraschte mich völlig, alle zuvor kamen morgens gegen 8 Uhr. Ich schalte grundsätzlich den Receiver aus, um beim Anziehen der Schuhe nicht noch aufgedrehter zu sein. So auch dieses Mal, doch ich hörte die Bremse der 50 Meter entfernten Rolle nur so kreischen. Noch als ich samt Rute ins Boot stieg, gab die Bremse Schnur frei.

Als ich den Schlagschnurknoten in den Ringen hörte, schaltete ich den Motor aus, so wie immer, doch der Fisch stand genau unter mir und ich rauschte durch den Vortrieb über die Schnur, verlor Kontakt und der Leader legte sich um die Spitze. Natürlich genau dann explodierte mein Gegenüber und ich konnte nur hoffen. Abrupt drehte er das Boot und zog mich hinterher, bis er sich in ein Krautfeld grub und ich die Schnur befreien konnte. Dann begann endlich ein ordentlicher Drill und ich kescherte den Fisch dieses Trips für mich: Knapp 21 Kilo schwer, aber – und das war mir noch viel wichtiger – ein echter Hammerkarpfen mit breiten Schultern, tiefbrauner Färbung und ohne Macken. 

Darrell Peck mit 21-Kilo-Spiegelkarpfen aus dem Lac de la Fôret d'Orient für Carpzilla.

Diese 14-Tages-Session beendete ich mit 7 Fischen. Nicht der Oberhammer, aber ein respektables Ergebnis für so ein schwieriges Gewässer. Und um ehrlich zu sein: Danach war ich mehr als gewillt, wieder heim zu fahren. Das tägliche Porridge und diese eiwge, immer gleiche Pasta hingen mir so richtig zum Halse raus. Doch schon nach wenigen Tagen zuhause wollte ich nur eines spüren: Orient-Schlamm unter den Füßen!!!

Bis zum nächsten Mal,

Pecky

 

 

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